Der Countdown zur Abgeltungssteuer 2009 läuft
Vor knapp zwei Wochen, mit der Absegnung der Unternehmenssteuerreform des Bundesrates hat die Abgeltungssteuer nun noch die letzte Hürde genommen. Nach dem 31.12.2008 erfolgt die Besteuerung der Anleger pauschal mit 25% plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.
Erstaunlich wie schnell dieses Gesetz durchgeboxt wurde, vor allem da ein Großteil der Bevölkerung zu den Verlierern gehören wird. Im Sommer 2006, das Land steckte im Fußballfieber, machte sich die Regierung an die Ausarbeitung der Unternehmenssteuerreform, zu der auch die Abgeltungssteuer 2009 gehört. Ziel war es, das deutsche Steuer(un)wesen zu vereinfachen. Heute wissen wir, das Ziel wurde um Weiten verfehlt.
Was ändert sich
Neu ist, dass alle Erträge aus privaten Veräußerungsgeschäften und Gewinne durch Kapitalanlagen mit 25% plus Soli und Kirche (das kann schnell mehr als 28% werden) besteuert. Unter die Abgeltungssteuer 2009 fallen somit alle Gewinne und Erträge aus Dividenden, Zinsen, Investmentgeschäften, Zertifikaten Aktien und Aktienfonds. Selbst Vermögen, Geldanlagen zur Eigenheimfinanzierung oder Sicherung der Altersvorsorge werden nicht von der Abgeltungssteuer ausgenommen, sondern müssen zukünftig auch voll versteuert werden.
Schmerzlich aus Anlegersicht ist auch der Wegfall der Veräußerungsfrist, besonders langfristig orientierte Anleger wird dies wehtun. Waren bis jetzt Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei, werden sie neu zu jederzeit mit der vollen Abgeltungssteuer belastet.
Auch Anleger die vor allem auf Dividenden setzten werden zukünftig schlechter fahren, denn auch das Halbeinkünfteverfahren (Besteuerung der Halben Dividende mit dem persönlichen Steuersatz) ist dem Rotstift zum Opfer gefallen.
So erfolgt die Umsetzung
In Zukunft wird die gesamte Steuer direkt von der Bank berechnet, an der Quelle abgezogen und an das Finanzamt überwiesen. Dies geschieht noch bevor der Anleger an sein Geld kommt.
Wenn Sie ihr Vermögen bei mehreren Banken haben, müssen diese sich untereinander austauschen, das Sie bei zeitgleichen Gewinnen und Verlusten, die Verluste gegen die Gewinne verrechnen können, wodurch Sie bereits unnötige Abgeltungssteuer vermeiden können.
Da auch die Kirchensteuer neu direkt berechnet und abgezogen wird, sollten Sie sich nicht wundern wenn künftig am Bankschalter nach Ihrer Religionszugehörigkeit gefragt wird.
Jetzt handeln und Vermögen vor der Abgeltungssteuer schützen
Wollen Verluste für das Vermögen durch Abgeltungssteuer 2009 verhindert werden, sollten Sie zügig handeln. Dem Anleger stehen zwei grundsätzliche Strategien bereit:
- Altes Recht konservieren: Alle noch vor dem 1. Januar 2009 gekauften Geldanlagen wie z.B. Aktien konservieren altes Recht auf unbestimmte Zeit. Wird nun aber eine steuerfrei Entnahme, eine Umschichtung oder ein Strategiewechsel durchgeführt, verfällt dieses alte Recht. Darin liegt auch das Problem dieser Strategie, der Anleger, will er die Abgeltungssteuer umgehen, wird zum Stillhalten verdammt. Darf man selber um den Steuerschutz nicht zu zerstören nicht handeln, sollte mindestens die Geldanlage so flexibel wie möglich sein.
- Neue Chancen nutzen: Die Finanzbranche ist für ihre Anpassungsfähigkeit bekannt. Bereits bestehen zahlreiche Abwehrmaßnahmen gegen die Abgeltungssteuer, dies für jede Vermögensgröße:
- Mit Fonds, Dachfonds und speziellen Varianten wie den Lebenszyklusfonds kann die Abgeltungssteuer umgangen werden. Innerhalb des Fonds darf nach belieben Aktien gekauft und verkauft werden, für den Privatanleger hätte dies bereits Abgeltungssteuern zur Folge.
- Beim Versicherungsmantel wird die Geldanlage als Prämie in eine Lebens- oder Rentenversicherung eingebracht. Von Außen ist nur noch die Versicherung zu sehen und genießt so einen Steuerschutz bis zur Verrentung oder Kapitalentnahme. Selbst die Entnahme erfolgt unter steuerlich günstigeren Bedingungen.
Bei der Auswahl der richtigen Geldanlage, egal für welchen Geldbeutel, muss vor allem auf die persönliche Risikobereitschaft geachtet werden. Die zentrale Frage vor jeder Investition lautet:„Wie viel Risiko bin ich für meine Wunschrendite bereit einzugehen?“
Raphael Oesch rapha_el(at)gmx.net
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